Geschichte:
Die Urkunde von cropiskin an der instrut 1352

Es gibt seltsame Momente, da geht ein freudiges Erschrecken durch den Körper. So passiert bei der Durchsicht alter Akten im vollgestopften Archiv zu Lütjenburg. Es fanden sich Dokumente, die ordentlich, Wort für Wort, weitergereichtes Geschichtswissen belegen. Nämlich die urkundliche Erstnennung von cropiskin an der instrut by breitenstein durch den Deutschen Orden und den Klerus bei der Festlegung der Teilung Nadrauens am 20.11. und 1.12.1352. Der Hochmeister des Deutschen Ritterordens Winrich von Kniprode (1310 - 1382) unterschreibt diese federführend auf der Marienburg. Es geht um die Sicherung der Grenzen zwischen Georgenburg und Ragnit in der großen Wildnis des Gaues Nadrauen.

Die Ureinwohner dieses Gebietes waren weder Germanen noch Slawen, es waren Pruzzen. Eine selbständige Gruppe der baltischen Völker mit eigener Sprache, für die schon 1350 ein Ordensbruder ein pruzzisches Wörterbuch zusammenstellte. Später ging das Pruzzische einfach in die überlegene Deutsche Sprache und Kultur über. Die Pruzzen unterteilten sich in elf Stämme mit eigenen Gauen, darunter Nadrauen und Schalauen, beide Stämme grenzen um cropiskin mit ihren Hoheitsgebieten unklar aneinander. Schon im 13. Jahrhundert ergaben sich allmählich die verschiedenen Stämme der Ordensübermacht, vermischten sich mit Litauern und deutschen Neusiedlern.

Bestimmt war cropiskin schon vor 1352 ein Dorf mit Krug und Rastplatz im Gaudenwald. Lag es doch verkehrsgünstig und grenznah an den sich kreuzenden Straßen von Georgenburg und Ragnit und an dem vielleicht damals schiffbaren Fluß Instrut, der über Deime und Pregel bis zur Ostsee führte.

Doch lange vorher war der breite Stein, nachweislich im7.Jahrhundert nach Chr. Versammlungsplatz, Opfer- und Grabstätte heidnischer Fürsten und deren Gefolge. Warum nicht mit einer kleinen Siedlung?

Die uns vorliegende Abschrift stammt wahrscheinlich aus dem samländischen Urkundenbuch.

Dankbar legen wir Ihnen nachfolgend die Übersetzung aus dem mittelhochdeutschen (1100 - 1500) Urtext des Germanisten und Historikers Dr. Boy Friedrich, Hamburg, ganz vor. Die Übersetzung ins Russische besorgte Olga Schößler-Müller.

Katharina Willemer

Vorlage der Übersetzung:
Preußisches Urkundenbuch Bd. 5, Lfg. l (1352-1356), Marburg 1969.
Ortsnamen in der Übersetzung folgen den Auflösungen in den zugehörigen Anmerkungen des Preuß. Üb.. Kursiv- und Fettdruck = Hervorhebungen des Übersetzers.
Das Wort beschutte grenitze, wörtlich beschützte Grenze, 9mal in der Urkunde vorkommend, ließ sich nicht genau klären (Handwörterbuch der Rechtsgeschichte, Grimmsches Wörterbuch, Lexikon des Mittelalters, zahlreiche Wörterbücher des Mittelhochdeutschen). Es wurde zum Teil mit natürliche Grenze, zum Teil mit geschützte Grenze übersetzt.

Übersetzung: Boy Friedrich, Hamburg-Cranz, 19.7.2004


Nr. 98
1352 November 20. Marienburg

Hochmeister Winrich von Kniprode bestätigt die zwischen dem Orden und dem Bistum Samland vereinbarte Teilung des Landes Nadrauen.

Wir, Bruder Winrich von Kniprode, Hochmeister des Ordens der Brüder des Spitals St. Marien des Deutschen Hauses von Jerusalem, tun allen die diese Urkunde zur Kenntniss bekommen kunnt, daß wir mit dem gebotenen Rate und Zustimmung nach der ersten Teilung, die das Gebiet jenseits der Wehlau und Laukischken betrifft, zwischen dem Herrn Bischof und dem Bistum Samland einerseits und uns und dem Orden andererseits, das hiernach beschriebene Land mit allem Zubehör geteilt und verlesen haben. Von dem Grund bei dem Pregel, der belegen ist zwischen dem langen Damme und dem alten Zaun und an diesem entlang, wie es hier beschrieben steht: den vorgenannten Grund hinauf bis an den Deich; den Deich bis ans Ende, so daß er zur linken Hand liegen bleibt, bis an die Nehne; die Nehne hinauf bis zur Quelle; von dort bis zu einem alten Wald, der ehemals zum Lande Laukischken gehörte, von dort rechter Hand herum um die Flur Laukischken, bis zum alten Hain bis an eine gesicherte Grenze, gelegen hinter dem Dorfe Szargillen, so daß die Flur Laukischken zur linken Hand bleibt; von dieser Grenze soll man die Timber überqueren an einer gesicherten Grenze; von dort soll man bis zu einer gesicherten Grenze gehen, gelegen am Großen Moosbruch; von dort soll man gehen bis ans Ende der Flur Linkuhnen (oder Lauknen); von dort bis ans Ende der Flur Wangelaukin (Ort nicht ermittelt), so daß beide Gemarkungen zur rechten Hand bleiben, in dem Teil der zu Ragnit gehört; vom Ende der Flur Wangelaukin soll man gehen bis zum Bächlein, das Richtung Kalwen fließt, wo die Memel groß ist und eine natürliche Grenze bildet; die Memel hinauf bis zur Mündung der Scheschuppe in die Memel, die Scheschuppe hinauf bis zur Furt bei Lenken; von dort in rechter Richtung bis Kraupischken an der Inster, als natürlicher Grenze; die Inster hinab bis zur Mündung in den Pregel; den Pregel hinab bis in den Grund, dem Beginn der Beschreibung.

Dieses vorbeschriebene Land haben wir gemeinsam einträchtig in drei Teile geteilt: Der erste Teil beginnt in dem vorgenannten Grunde und den Deich und die Nehne aufwärts Richtung Laukischken, die Flur umgehend bis an die Grenze, die durch den Moosbruch gebildet wird, wie es zuvor beschrieben wurde; der zweite Teil beginnt an der vorbeschriebenen Grenze des Moosbruchs und geht, wie die Grenzen zuvor beschrieben wurden und das Haus Ragnit innerhalb liegt, bis zu dem breiten Stein und dann die Inster hinab bis zur Mündung in den Pregel, so dann den Pregel hinab bis diesseits der Auer, als natürlicher Grenze, von dort soll man gehen in Richtung auf einen Berg, als eine natürliche Grenze; von dort soll man aber gehen geradezu bis zur Gerichtsgrenze, die eine Meile entfernt ist von der vorbeschriebenen Grenze auf dem Berge; von dort soll man auf der Gerichtsgrenze gehen bis an eine geschützte Tanne, die Marschallsgrenze genannt wird; von dort gehe man rechts bis zum breiten Stein.

Nachdem diese vorgenannten drei Teile nun festgelegt wurden, so haben wir (Winrich von Kniprode) und der Bischof die Wahl. So wählte der Bischof mit Rat und Zustimmung seines Kapitels das letzte Drittel der Lande, beginnend am breiten Steine und rechtsentlang bis zur Inster und dann die Grenze (die vorherige) zu überschreiten wie es jetzt geschehen ist, bis wieder zum breiten Stein. Dieser Teil genügte ihm und er nahm ihn rechtmäßig in Besitz. So nahmen wir mit dem gebotenen Willen und Rat die anderen zwei Teile der Lande und haben unser Insiegel, damit dies stets und ewiglich so bleiben möge, an diese Urkunde gehängt, geschehen zu Marienburg im Jahre unseres Herrn dreizehnhundert im zweiundfünfzigsten am Dienstag nach dem St. Elisabeth Tage. Dies sind die Zeugen, die ersammen Mannen, unsere lieben Brüder, Herr Heinrich von Boventin, Großkomtur, Herr Sifrid van Tahinveld, Oberstmarschalk, Herr Herman Kudorf, Oberstspitaler, Herr Ludewig van Wolkenburg, Obersttrappier, Herr Johann von Langerak, Tri-seler, Diterich van Brandinburg zu Thorun, Ortolf von Trire zu Elbing, Cunrad von Bruningisheim zu Kirsburg, Eckart Culling zu Balge, Erwin von Stockheim zu Brandinburg, komtur und andere ehrbare Leute.

Die in der Gegenurkunde des Bischofs von Samland (Preußisches Urkundenbuch Nr. 100) von obiger Urkunde gegebenermaßen abweichende Passage lautet nach dem Transcript im Samländischen Urkundenbuch (Nr. 404 1. Spalte) in der Übersetzung wie folgt:

Wir Jacobus, von Gottes Gnaden Bischof zu Samland, tun allen kunnt die diese Urkunde vernehmen werden, daß wir mit Rat und Willen des Kapitels unserer Kirche nach der ersten Teilung, die das Gebiet jenseits der Wehlau und Laukischken betraf, zwischen Herrn Winrich von Knyprode, dem Hochmeister des Ordens der Brüder des Spitals St. Marien des Deutschen Hauses von Jerusalem, und dem Orden einerseits und zwischen uns und unserem Kapitel und dem Bistum andererseits das nachbeschriebene Gebiet geteilt...

Quelle : Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 75/2004
Urkunde siehe Anlage

Kopien der Urkunde:


Vorwort



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 10.01.2005
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 1. Februar 2011