Breitenstein nach 1945 :
Uljanowo

Die Bewohner leben - soweit sie die Katastrophe überlebt haben - in der Bundesrepublik. Zum Leidwesen vieler verhindert die räumliche Trennung den Wiederaufbau der alten Schicksalsgemeinde. Ein Band verbindet aber auch heute noch alle ehemaligen Breitensteiner. Dies Band knüpfte die Stadtverwaltung der kleinen holsteinischen Stadt Lütjenburg, als sie 1953 die Patenschaft über Breitenstein übernahm.

Bild unten : Breitensteiner Schule 1990 (Bild: Sammlung Metschulat)

Durch Erlaß des Obersten Sowjet der UdSSR im Jahre 1946 wurde die Löschung aller bis dahin gebrauchten deutschen Ortsnamen angeordnet. Breitenstein bekommt den Namen  "Uljanova" .Uljanow ist der eigentliche Nachname des Menschheitsbeglückers Wlademir Iljitsch Lenin.
Im Jahre 1947 begann die "Aus-siedlung der deutschen aus dem Kaliningrader Gebiet" aufgrund eines Geheim- erlasses Stalins. Alle noch verbliebenen Breiten- steiner, die die Tragödie überlebt haben, sind dabei.

Nicht ein einziger Deutscher wird zurückbleiben - das Kirchspiel Breitenstein ist jetzt "Deutschfrei". Die Vertreibung der Deutschen schafft für die weitere Besiedlungs- und Sowjetisierungspolitik die gewünschten Vorraussetzungen.

Unsere Dorfkirche - 1772 erbaut hat alle Kriege heil überstanden - wird als Strohlager verwendet. Im Jahre 1953 spielen dort Kinder mit dem Feuer. Die Kirche brennt völlig aus. Nur die Außenmauern des Kirchenschiffes und der Kirchturm ohne Dach blieben stehen.

Bild links:
Kirchenruine/ Friedhof 1991
(Bild: Sammlung Metschulat)

Die seit 1946 bestehende Kolchose in Uljanowo wird eine Sowchose(Staatsgut). Sie erhält den Namen "Luniski". Dieser Name bestand zum zum Untergang der Sowchose 1992.

Im Jahre 1976 wurde das 1930 errichtete Kriegerdenkmal zerstört.
Im Jahre 1979 wird eine neue Schule eingeweiht. Die "alte" Schule war für die wachsende Schülerzahl zu klein geworden. Seit dieser zeit ist Juri Userzow Schuldirektor. Er ist 1951 in Kraupischken/Uljanowo im Haus des Viehhändlers Wolff geboren
("Ich bin ein Kraupischker !!").

Am 17.November1981 wird ein Schulmuseum eingeweiht, welches der Schuldirektor Juri Userzow in zwei Räumen der Schule eingerichtet hat. Die Präsentation eines Museums mit Teilstücken deutscher Vergangenheit ist einmalig im ganzen Kalingrader Gebiet. Im Jahre 1989 fand der erste briefliche Kontaktaufnahme eines Breitensteiners (Klaus-Dieter Metschulat) mit Uljanowo statt. Den Antwortbrief der Sowchose- und Parteiführung des Ortes verfasste und schrieb der Schuldirektor Juri Userzow. Ein reger Briefaustausch fand statt. Bilder und Daten wurden für das Museum bereitgestellt. Man erhielt endlich Informationen über die Verhältnisse des Heimatdorfes Breitenstein. Im Juni 1990 besuchte Metschulat mit seiner Schwester als erster Breitensteiner nach 46 Jahren seinen alten Heimatort.

Viele Kontakte und Besuche folgten. 

Aus dem Jahre 2004:

Hinter dem alten Pfarrhaus entsteht jetzt eine neue russische orthodoxe Kirche. Das Bild links zeigt den Baufortschritt im Juni 2004.
(Foto: Klaus-Dieter Metschulat)

Der zweite Friedhof in Kraupischken, linker Hand an der Straße Richtung Ragnit (Neman), soll von fast 60 Jahre alten Gestrüpp befreit sein, und eine weitere Wiese soll sich hinter dem Gedenkstein ausbreiten.

Anläßlich der Partnerschaftsbesiegelung zwischen Lütjenburg und Uljanowo am Freitag, dem 15.Oktober 2004, werden wir dort einen Kranz für alle Toten, die dort begraben liegen, feierlich niederlegen.

Unsere Breitensteiner Mühle hat man am 22.Juli 2004 geschleift. Damit ist wieder ein repräsentatives deutsche Gebäude aus dem Ortsbild verschwunden.

Ihre Kirchspielvertreterin
Katharina Willemer



Das älteste Haus ("Steinernes Haus") in Breitenstein/Kraupischken im Sept. 2006
(Bild: Reinhard August)


Besuchen Sie das
Ostpreußenmuseum
(Ersten Museum im Kaliningrad-Gebiet, eröffnet 1981)
i
n der neuen Schule Breitenstein/Kraupischken/Uljanova neben der Kirchenruine

Museumsleiter und Schuldirektor : 
Jurij Userzow

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am 15. Oktober 2004

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© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.06.1999
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letzte Änderung dieser Seite : Donnerstag, 9. Februar 2017