Tilsit - der Tilsiter Frieden 1807
Die Begegnung der Monarchen
von Horst Mertineit-Tilsit

Wie oft habe ich es erlebt, daß man Tilsit nach Polen, nach Litauen, ja nach Sibirien hineindachte. "Tilsit? - Warten Sie mal, der Name verbindet sich bei mir mit dem Begriff Käse, - Käse kommt aus Ungarn, 's wird 'ne ungarische Stadt sein" , so ein Gesprächspartner, zwar aus Schwerin - aber man glaube nur ja nicht, daß die im Westen wohnenden Landsleute besser informiert sind.

Übrigens - das war schon immer so! - Anno 1923 schreibt der Stadtrat Quentin in einem Artikel: (Zitat) "Man ist nicht gerade angenehm in Tilsit berührt, wenn hier und da Briefe ankommen, in deren Anschriften Tilsit nach Litauen oder gar nach Polen verlegt wird. Und wenn wir von Tilsit ins Reich fahren, so können wir aus jeder Frage, die die Westländer über unser Ostland meist mit einer gewissen Gleichgültigkeit an uns richten, mit gesträubten Haaren entnehmen, daß die Kenntnisse über den Osten dort höchst mangelhaft sind" - (Zitatende) (Bewohnt von in Pelze gehüllten Kassuben, strafversetzten Beamten und Wölfen!)

Und heute - da wird das - Gott sei Dank - noch erhaltene Brückenportal an den Pregel verlegt und selbst offizielle Werbebroschüren von Reiseunternehmen belehren uns, daß die "Luisen-Brücke" erhalten geblieben ist. Ein bekannter und erfolgreicher Literat und Fernsehmann teilt uns, zu unserer großen Freude, in seinem Buch mit, daß das Marmor-Luisen-Denkmal noch in Jacobs-ruh steht. (Na, ist das nichts?)

Und genauso haarsträubende Geschichten ranken sich in gut verkauften Büchern und Veröffentlichungen um den "Tilsiter Frieden". Da hat doch der gute alte "Kaiser Wilhelm" den Napoleon auf der Luisenbrücke getroffen! - An anderer Stelle hat "Königin Luise auf der nach ihr benannten Brücke mit Napoleon den Tilsiter Frieden geschlossen!!!" (Na hoffentlich haben die beiden keinen Schnupfen bei dem "open-air-Vertrag" bekommen, denn die Brücke wurde erst rd. 100 Jahre später gebaut). Und beim Friedensschluß selbst wird uns nicht selten eine preußische Königin geschildert, die auf Knien, tränenüberströmt, Napoleon um Gnade angefleht hat. Auf solche und ähnliche Szenen werde ich nachfolgend eingehen müssen.

Da hat es mir gereicht. Ich habe mir Literatur vorgenommen, die in meinem Hause erreichbar war. Es soll keine wissenschaftliche Abhandlung sein, es soll nur mal eben schildern, "wie das damals mit dem Tilsiter Frieden war".

Man schrieb das Jahr 1807. Preußen, im Bunde mit Rußland, stand im Krieg mit Frankreich. Napoleon hatte fast ganz Preußen besetzt. Die politische und militärische Entwicklung beschreibt Landsmann Goetzke in seinem Artikel über den sogenannten Friedensschluß in diesem Rundbrief. Das preußische Königspaar, Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, hatten Berlin verlassen müssen und befand sich in der damals nordöstlichsten Stadt Preußens, in Memel. Am 2. April 1807 kam der russische Zar Alexander nach Memel zur Lagebesprechung. Er lud das preußische Königspaar zu einer Truppenbesichtigung seiner neu aufgestellten Truppen ein, mit denen er das Schicksal wenden wollte. Dazu fuhren Friedrich Wilhelm und Luise am 4. April nach Tilsit. Wegen des Frühjahrshochwassers mußten sie mit Kähnen von Baubein aus nach Tilsit übergesetzt werden. (Die Schiffbrücke war noch im Winterlager). Sie wohnten in der Deutschen Straße Nr. 24. - das Haus gehörte dem Kreis-Justiz-Kommissionsrat S i e h r . - Nach der Truppenschau kam auch Alexander nach Tilsit und wohnte im Hause Deutsche Straße 21 . Am 15. Juni 1807 reiste der preußische König nach Memel ab und Alexander zu seinen neuen Truppen.

Kurz nach ihrer Abreise kam die Schreckensnachricht von der verlorenen Schlacht bei Friedland. Die geschlagenen Truppen fluteten nach Tilsit zurück, um hier über die, nach dem Frühjahrshochwasser nunmehr eingefahrene, hölzerne Schiffbrücke das jenseitige Memelufer zu erreichen. Der russische General Bennigsen hatte in alle Boote geteertes Stroh legen und dies entzünden lassen, als am 19. Juni 1807 die ersten französischen Reiter auftauchten. Es gab keine Schiffbrücke mehr. Kurz danach kam Napoleons Schwager Murat an. Er stieg auf den Turm der Deutschen Kirche um die russischen Stellungen am jenseitigen Memelufer zu erkunden. Für Napoleon, der etwa 1 Stunde später erschien, war das Haus Deutsche Str. 24, in dem vorher das preußische Königspaar gewohnt hatte, belegt. Napoleon ritt durch die Stadt, besichtigte die niedergebrannte Schiffbrücke und nahm dann selbst Quartier in An-Ballgarden im Hause des Amtmannes Koehler. Von hier aus konnte er den Strom und die gesamte Umgebung ausreichend übersehen. - 10 000 (!) Soldaten wurden in der Stadt einquartiert; plündern und requirieren gehörte zum Kriegshandwerk, es war schließlich noch Krieg und man war ja in Feindesland. Die Tilsiter Bevölkerung litt bitterste Not.

Fürst Lobanow wird von Alexander zu General Bennigsen mit der Vollmacht zum Abschluß eines Waffenstillstandes geschickt und legt diese Napoleon vor. Dessen Forderung, daß zuvor die preußischen Festungen Graudenz, Pillau und Kolberg zu kapitulieren haben, weist Alexander zurück mit dem Bemerken, daß er über diese nicht zu bestimmen habe. Napoleon zieht diese Forderung zurück und so wird am 21 Juni der französisch-russische Waffenstillstand unterzeichnet, auch von Napoleon gern unterzeichnet, denn auf beiden Seiten waren die Truppen ermüdet, und auch die Widerstandskraft aller drei Monarchen war mehr oder minder erschöpft.

Kaiser Alexander begab sich nach Tauroggen und dann nach Piktupönen. Nun verlegte auch Napoleon sein Quartier in die Deutsche Straße 24.
Der Großmarschall Duroc überbrachte Alexander eine Einladung zu einer Zusammenkunft mit Napoleon auf der Mitte der Memel, auf neutralem Gebiet. Bis auf den heutigen Tag wird dem Zaren der Vorwurf gemacht, seinen Bundesgenossen, Preußen, seinen Freund Friedrich Wilhelm verraten zu haben, nachdem noch vor wenigen Monaten der preußische König, standhaft im Wort und im Vertrauen auf die russische Freundschaft einen ihm angebotenen günstigen Sonderfrieden mit Frankreich abgelehnt hatte, was Napoleon insbesondere der Königin Luise anlastete. - Alexander aber mußte so handeln, um "Leben und Ansehen" zu retten. Er war sich darüber klar, daß mit den noch verbliebenen Truppen kein weiterer Feldzug zu führen und schon gar nicht der Krieg zu gewinnen war. In seiner Generalität und in der Politik verstärkte sich eine neue franzosenfreundliche Tendenz. Keineswegs waren alle an einem Fortbestand Preußens interessiert. Im Gegenteil, man hat Alexander arg zugesetzt, Preußen fallen zu lassen und Rußland damit angebotene erhebliche Vorteile zu verschaffen. - Tatsache ist, gegenüber anderen Darstellungen, daß der Zar, sei es aus Vertragstreue, aus Freundschaft oder als Realpolitiker sich für den Bestand von Preußen und für tragbare Bedingungen eingesetzt hat. Natürlich ist ihm auch ein Puffer "Preußen" zwischen der Großmacht Frankreich und seinem Land wichtig gewesen. In den Gesprächen und in den Verhandlungen mit Napoleon, so beweisen es die Aufzeichnungen, hat er sich für Preußen weit mehr eingesetzt, als es die Realpolitik erforderte. In St. Petersburg hat er erhebliche Schelte für sein Verhalten bekommen.

In persönlichen Gesprächen mit Friedrich Wilhelm III. hat Alexander diesen davon zu überzeugen vermocht, daß der Waffenstillstand und ein unmittelbar folgender Friedensschluß unabdingbar notwendig sind. Der Preußenkönig sah das ein und trotz allerfolgenden Demütigungen durch Napoleon findet sich nirgendwo, aufgezeichnet oder gehört, ein verbittertes, kränkendes oder anklagendes Wort über das Verhalten seines Freundes und Bundesgenossen. Gemeinsame Friedensverhandlungen mit Preußen hat Napoleon strikt abgelehnt.

Zu dem oben erwähnten Treffen auf der Memel beginnen am Abend des 24. Juni 1807 150 französische Festungspioniere aus verbliebenen Balken der verbrannten Schiffbrücke zwei Flöße zu zimmern, die sie dann miteinander verbinden und in der Strommitte verankern, (etwa in der Höhe des späteren Tilsiter Ruderclubs). Aus Brettern wurde auf jedem Floß ein Holzhaus gezimmert, jeweils für die Regenten und die Gefolgsleute. Das für die beiden Kaiser (und später den König) war 20 Fuß lang, also 6,28 Meter und zehn Fuß breit, das waren 3,14 Meter. Es hatte 2 Türen und 6 Fenster. Die Wände waren mit "Musselin" bekleidet. Stühle und Sessel hatte man aus der Tilsiter Loge "Luise zum aufrichtigen Herzen" geholt. Das Haus für die Begleitungen war etwas kleiner, aber auch möbliert und tapeziert. Fertig waren "die hübschen Pavillons" am 25. Juni. Nach Napoleons Gedanken sollte die Mitte der Memel die Trennlinie zwischen dem napoleonischen und dem russischen Machtbereich sein und bleiben. (Zur Zeit jedenfalls) Man sagt, daß Napoleon tief in Gedanken versunken am Memelstrom gestanden hat und wohl innerlich gespürt hat, daß hier die Grenze seiner Möglichkeiten gezogen ist. Auf dem Dach des Pavillons wehen die französische und die russische Fahne, über den Eingangstüren im Süden ein "N" und im Norden ein "A". Grüne Girlanden schmücken den Umgang.


Am 25. 6. 1807 , reitet Napoleon von seinem Quartier zum Fluß , begleitet von seinem Schwager Murat, Großmarschall Duroc, Marschall Bercieres, Marschall Berthier, Minister Coulaincourt und weiterem Gefolge, und von 100 Gardegrenadieren. Auf der nördlichen Stromseite erschien der Zar Alexander mit seinem Bruder Konstantin, den Generalen Bennigsen, Uwarow und Lobanow und seinem Flügeladjutanten Graf Liewen, begleitet von russischer Garde in Paradeaufstellung. Nach beiderseitigen Trompetensignalen bestiegen beide Kaiser die Boote. Napoleon, der, wie vorgesehen, zuerst ankam begrüßte Alexander, der ihn mit einer Umarmung überraschte. Beide begaben sich in den größeren Pavillon, die Gefolge in den kleineren. - Die beiden Monarchen sprechen 1 1/2 Stunden allein miteinander, während im "Nebenbau" Napoleons Schwager Murat und der Bruder des Zaren, Konstantin, intensive Gespräche führen.

Der preußische König ist, nicht eingeladen, am nördlichen Memelufer zurückgeblieben, im Regen "eingehüllt in einen russichen Mantel, umgeben von russischem Militär" heißt es. Anderweitig lese ich, daß Preußen noch einen eigenen Militärmantel für seinen König hatte, einen Garde du Corps-Mantel. Nun, auf den Mantel kommt es nicht an, wohl aber auf die Gespräche auf dem Floß. Es gibt darüber keine amtlichen Protokolle, aber aus Bemerkungen an die Umgebung und aus der Unterrichtung des Königs durch den Zaren wissen wir: Das Hauptthema war Preußen!

Napoleon wollte die Hohenzollern vertreiben und Preußen zertrümmern. Darum hatte er auch keinen Waffenstillstand mit ihm geschlossen. Er bot dem Zaren die Weichsel als gemeinsame Grenze an. Alexander lehnte ab, weil seine Ehre und die Ehre Rußlands es geboten, seinen Bundesgenossen und Freund nicht zu vernichten. Napoleon pokerte höher: Er bot Alexander alle preußisch-polnischen Gebiete mit der polnischen Königskrone an, wenn er der Vernichtung Preußens zustimmen würde. Alexander lehnte erneut aus gleichen Gründen ab. - (Beim Friedensschluß sagte später Napoleon dem preußischen Bevollmächtigten, dem Grafen von der Goltz,: "Ohne die Fürsprache des Kaisers von Rußland wäre mein Bruder Jerome König von Preußen geworden und die jetzige Dynastie verjagt worden,") , - Sodann bot Napoleon vorsichtig eine Teilhabe an der künftigen Teilung der Türkei an. Ergebnis: Preußen bleibt bestehen, zwar nur in seinen alten östlichen Provinzen, Polen wird in mäßigen Grenzen wieder hergestellt und Rußland erhält einen Gebietszuwachs auf Kosten der Türkei.

Napoleon verzichtete nunmehr widerwillig auf die Auslieferung der Festungen Graudenz, Pillau und Kolberg.

Der Zar unterrichtete den preußischen König und lud ihn für den nächsten Tag, im Auftrage Napoleons, zu einem zweiten Treffen ein. - Am 26. 6. 12,30 Uhr fuhren beide in einem Boot zum Treffen mit Napoleon. Die Pavillons waren verschönert, Lorbeerbäume aufgestellt, das "N" und das "A" umkränzt, aber es gab kein "FW", ein Affront gegen den König in seinem eigenen Lande. Widerwillig hatte Friedrich Wilhelm, dem Protokoll folgend, den Orden der französischen Ehrenlegion angelegt, Napoleon einen hohen preußischen Orden. Das Gespräch zwischen dem überheblichen Korsen und dem von Kummer und Groll geplagten Preußen ist schwierig, und Zar Alexander bemüht sich immer wieder zu vermitteln. Napoleon spürt mit seinem ihm eigenen Instinkt die Verachtung des Preußen, der ist eben kein Diplomat und kann sich nicht verstellen. So lädt der Franzose den Russen zum Diner ein, den Preußen nicht. Wieder ein Affront, aber im Grunde genommen ist Friedrich Wilhelm froh, nach Piktupönen zurückkehren zu können, von wo aus er täglich Luise in Memel über alles unterrichtet, - Es hatte noch eine Kontroverse um den Minister Hardenberg gegeben, wobei Napoleon einen seiner Zornesausbrüche bekam. Dazu nur soviel: Er sprach dabei davon, daß er nicht Preußen bekriegen wollte, sondern mit Preußen Rußland. Das hätte Hardenberg und - natürlich Luise - verhindert.

Er war verärgert, daß ihm am Vortage die Vernichtung Preußens nicht gelungen war, aber er war entschlossen "es so zu pressen und ohnmächtig zu machen, daß es ihm nie wieder gefährlich werden konnte." Napoleon schlug vor, um die Verhandlungen zu vereinfachen, Tilsit zu einer neutralen Stadt zu erklären und lud Alexander ein nach Tilsit, in einen den Russen vorbehaltenen Bezirk überzusiedeln. Noch am gleichen Tag begann die Übersiedlung der Russen nach Tilsit in den östlichen Teil. Nun lag auch die Deutsche Kirche in dem "russischen Teil" und dadurch war es Napoleon nicht mehr möglich, wie zuerst gewollt, den Turm abtragen und nach Paris verbringen zu lassen. Am Nachmittag kam Alexander selbst in die Stadt und bezog nach einem pompösen Empfang durch Napoleon an paradierenden Soldaten in der Deutschen Straße vorbei, im Hause Deutsche Straße Nr.3 Quartier. Friedrich Wilhelm verblieb in Piktupönen. - Sie treffen sich jetzt fast täglich, speisen zusammen, besuchen zusammen Truppenteile, (mit aufgepfropfter Höflichkeit und unterdrücktem Zorn) und Friedrich Wilhelm "atmete frei auf, wenn er wieder den Fluß überschritt". Bei einem Vier-Augen-Gespräch brüllen sich Napoleon und Friedrich Wilhelm so (tierisch würden unsere Jungen heute sagen) an, daß Alexander in den Raum stürmt, und nur mit Mühe vermitteln kann.


Bild links:
Napoleon empfängt Königing Luise in Tilsit
am 6.Juli 1807 vor dem Haus Deutsche Straße 24. - Ausschnitt aus dem Gemälde von Gosse (Gallerie zu Versailles)

Täglich verhandeln Alexander und Napoleon über den Frieden. Napoleon bietet dem Russen das preußische Gebiet nördlich der Memel an, Alexander lehnt ab. Statt dessen versucht er hartnäckig und diplomatisch für Preußen die Altmark , Magdeburg und Halberstadt, die Drewenz und die Netze als Grenze zum Herzogtum Warschau zu erlangen. Jedoch nur mit Mühe rettet er noch Graudenz.
Die Dinge waren schwierig. Da regte der Franzose Murat es an, der Preuße Kalkreuth gab es weiter ("Man vermutet es, daß Napoleon diese Gegenwart wünsche!") daß die Königin Luise hinzukommen möge. "Die bewundernswürdige Freundlichkeit Ihrer Majestät würde gewiß mehr vermitteln als alle Künsteleien der diplomatischen Formen". - Der König ist dagegen, doch er überläßt die Entscheidung Luise. -
Was mutet man dieser Frau zu! In der französischen Presse, speziell im "Moniteur" und in Napoleons Kriegsberichten wird die Königin laufend als die Kriegstreiberin, als die Urheberin des Krieges hingestellt und verleumdet, ja, es ging so weit, daß man ihr ein Verhältnis mit Alexander andichtete. Und nun soll sie nach Tilsit kommen, als Bittstellerin! Gesundheitlich angeschlagen, tief verletzt, entschließt sie sich, ihrem Volke gegenüber ihre Pflicht zu tun und reist unverzüglich nach Piktupönen. Hatte sie kurz zuvor noch in Memel gespottet: (nicht wörtlich) Sollte Napoleon mal mich rufen, dann bekäme es Sinn. Sie ahnte nicht, wie schnell das Wirklichkeit werden sollte.

Dort erwartete sie Hardenberg, (dessen Entlassung Napoleon zur Bedingung gemacht hatte) der sie "über die Lage unterrichtete, über Befürchtungen und Hoffnungen, und klärte meine Ideen sehr und gab mir die Grundlage für mein Gespräch mit Napoleon." - Sie muß das intensiv aufgenommen haben, denn später hat Napoleon geäußert, er hatte zeitweilig den Eindruck, "er lausche Hardenbergs Papagei". - Luise fühlt sich vorbereitet und gerüstet. Man erwartet nun protokollgerecht die Einladung Napoleons an Luise. - Zwischenzeitlich ist zu vermerken, daß den Preußen im äußersten Osten (in Tilsit-Preußen, dieser Name blieb) ein Bezirk eingeräumt war, der von preußischem Militär besetzt wurde. Dem König hatte man das uns allen bekannte Haus auf dem Schloßplatz (das "Luisenhaus"), eingeräumt, daß er allerdings wenig benutzte, sich dort hauptsächlich umzog, dann aber immer wieder nach Piktupönen zurückkehrte.

Am nächsten Morgen kommt der Zar zum Frühstück und informiert seinerseits die Königin. Dann erscheint der Abgesandte Napoleons, Hofmarschall Graf Coulaincourt, übermittelt die Grüße des Kaisers, erkundigt sich nach dem Befinden der Majestät und spricht die Einladung aus. Der Empfang war unterkühlt. Luise schreibt: "Ein Kompliment, das dem seinen entsprach und unsere Unterhaltung war zu Ende." - Sie vertieft den letzten Ratschlag Hardenbergs: " . . . ich solle das Vergangene ganz vergessen, nicht an das denken, was er persönlich von mir gesagt hatte, das Böse vergessen, es ihm sogar verzeihen, und nur an den König, an die Rettung des Königreiches und an meine Kinder denken" - Am nächsten Tag besucht sie der russische General Bennigsen, den sie seit den Tragödien in Ostpreußen abgrundtief nicht mag, den sie für einen Nichtskönner, Feigling, Verräter und Lügner hält. An ihm erprobt sie die von ihr erwartete Diplomatie. Sie ist heiter, plaudert mit ihm, lobt sein gesundes Aussehen, wie bis zum heutigen Tage auf einem Empfang - nichtssagender small talk!

Um 16 Uhr tritt sie die Reise nach Tilsit an. In einem "dicken Buch" las ich, daß sie von französischer Garde eskortiert wurde. Hier fehlte dem Verfasser wohl etwas Allgemeinwissen. Es eskortierte sie eine Einheit des "Garde du Corps". (Zwar ist das ein französischer Name aus Tradition, aber es war ein preußisches Garde-Korps). Sie kommt am Schloßplatz an, erwartet vom König, dem Zaren, der Gräfin Voß und anderen. Der Zar flüstert ihr noch zu: "Die Dinge stehen nicht gut, alle unsere Hoffnung ruht auf Ihnen ... nehmen Sie es auf sich und retten Sie den Staat!" -
Kurz darauf erscheint Napoleon, anscheinend äußerst gespannt auf die Begegnung, stößt aber zuerst auf "den Drachen" , die Gräfin Voß , für die er eine tiefe Abneigung bis zu seinem Ende pflegt. Die wiederum schildert ihn als ein Ungeheuer, eine Vorstellung, die auch Luise hegt.
Nach einer (fast schon ignorierenden) Begrüßung, bei der er dem Preußenkönig den Begrüßungshandschlag verweigert haben soll, stürmt er die Treppe hinauf mit den Worten: "La Reine est la haut?" (Die Königin ist da oben?) Er hatte sich ein Gespräch mit ihr unter vier Augen ausbedungen.

Beim ersten Anblick ist die Königin überrascht - das "Ungeheuer" ist durchaus ansehbar , ein Cäsarenkopf mit einer großen, klaren Stirn, einem Blick der durch und durch geht, mit einem zeitweilig sogar sympathischen Lächeln. Napoleon geht es anscheinend nicht anders. Er hatte einmal geäußert, daß er sich fast fürchte, ein heulendes, jammerndes, am Boden liegendes bettelndes Etwas vor sich zu haben. - Nichts davon. Rund eine Stunde sprechen sie miteinander , höflich, charmant aber freimütig. Während Napoleon in den Verhandlungen mit den Monarchen diese zeitweilig rücksichtslos und unhöflich bis aufs Blut reizte, den Zaren wie einen Schuljungen befragte, ja "vernahm", (was der Zar übrigens gekonnt abtropfen ließ), den Preußenkönig mit ganzen Kübeln Spott überschüttete, findet hier ein Gespräch statt, das es verlangt, daß es wenigstens in Teilen erwähnt wird.

Der schwedische Gesandte von Brinkmann hat das Gespräch, weitgehend wörtlich, für seinen König aufgezeichnet: - Nach dem Wechseln einiger Komplimente und Redensarten beginnt die Königin mit einer sehr ernsten Unterhaltung. "Ich lerne Ew. Majestät in einem für mich höchst peinlichen Augenblick kennen. ... Sie haben mich einst angeklagt, mich zuviel in Politik zu mischen, obwohl ich wirklich nicht glaube, diesen Vorwurf je verdient zu haben." - (Napoleon): "Seien Sie ganz überzeugt Majestät, daß ich niemals das alles geglaubt habe, was man während unserer politischen Zwistigkeiten so indiskret verbreitet hat." - (Luise): ", , ,ich benutze diesen Moment freimütig mit Ihnen zu sprechen .. . Wir haben einen unglücklichen Krieg geführt, Sie sind der Sieger, aber soll ich annehmen, daß Sie Ihren Sieg mißbrauchen wollen?" - (Napoleon): "Eure Majestät wollen mir gestatten, freimütig zu antworten. Warum haben Sie mich gezwungen, die Dinge aufs äußerste zu treiben? Wie oft habe ich Ihnen Frieden angeboten?!" - Wie schon erwähnt, es können hier nur kurze Auszüge des Gespräches gebracht werden. - Napoleon: "Aber Majestät glauben doch nicht etwa, daß von der Vernichtung Preußens die Rede ist." (!!?) - Luise: "Nein, aber der Friede, den man in Aussicht stellt, kann die Vernichtung für die Zukunft vorbereiten. . . . Erwerben Sie sich Rechte auf unsere Dankbarkeit, und Ihre Siege werden Ihnen doppelte Ehre machen".

Napoleon: "Aber haben nicht Ew. Majestät selbst meine Freundschaft für Preußen zurückgewiesen?" - (Damit kommt das Gespräch auf Hannover und Napoleons Gespräche mit England wegen einer Rückgabe.) - Luise: ". . . Ich weiß, daß wir Opfer bringen müssen, aber wenigstens trenne man von Preußen nicht Provinzen, die ihm seit Jahrhunderten gehören." - Napoleon: "Leider Majestät, stehen die allgemeinen Kombinationen oft den besonderen Rücksichten entgegen."
Nach mehr als einer Stunde endet das Gespräch. - War das eine tränenreiche bettelnde Frau, wie häufig dargestellt? - Das war eine selbstbewußte, beherrschte Frau, sicher in ihrem Auftreten, stets ihre Würde wahrend und dennoch mit ihrer ganzen Kraft und ihrem Charme für Preußen ringend ! Es war Luises "große Stunde", - und auch für Napoleon keine beiläufige Episode. Hier standen sich zwei charismatische Persönlichkeiten in unserer Heimatstadt gegenüber.; es wurde ein Stück Geschichte. Zwar gelang es Luise nicht, Preußen zu retten, das muß man dem Zaren zuschreiben. Viele halten deshalb dieses Treffen für ein unbedeutendes Geschehen ohne Wirkung. Ich denke, das ist es nicht. Es ist ein Ereignis, ein Markstein im Leben der preußischen Königin: Der mächtigste Mann der damaligen Zeit hat sie als politische Instanz gewürdigt. Auch so kann man es sehen: Ein Sieg der Frau - zur damaligen Zeit !

Die Hochachtung Napoleons vor dieser Frau wächst ständig, er bewundert ihre Würde und Haltung, so sagt er es dem Zaren, und seiner Frau Josephine schreibt er: "Gestern hat die Königin von Preußen mit mir diniert. Ich mußte mich tüchtig wehren, da sie mich zwingen wollte, ihrem Mann noch einige Zugeständnisse zu machen. Aber ich war nur höflich und habe mich an meine Politik gehalten. Sie ist sehr reizvoll und wirklich bezaubernd, sie ist voller Koketterie zu mir. Aber sei ja nicht eifersüchtig, ich bin eine Wachsleinwand, an der alles nur abgleiten kann. Es käme mir teuer zu stehen, den Galanten zu spielen."

Nun wird über diese Tage viel berichtet aber auch sehr viel erdichtet. Es ist nicht immer möglich, Tatsachen von Phantasien zu trennen. - Da ist die Episode, daß der preußische König nach einer Stunde in das Zimmer zu Luise und Napoleon getreten sei, justament in dem Moment, in dem Napoleon bereit war Zugeständnisse zu machen, die nun natürlich entfielen und das Gespräch damit abrupt endete. - Was ist Fabel, was ist wahr? Ich weiß es nicht. Wenn es so war, so ist das wohl jedermann verständlich. Jedoch weder bei der Gräfin Voß, noch bei der Gräfin Tauentzien fand ich bis jetzt dafür eine Bestätigung. Nur an einer Stelle wird berichtet (von wem?), daß am gleichen Tage Napoleon zum Zaren "verbindlich" gesagt haben soll, daß der König zur rechten Zeit eintrat, "eine Viertelstunde später und ich hätte der Königin alles versprochen". - Hat er es gesagt, und wenn, hat er es auch so gemeint? Ich sehe nur, wie er dem Zaren gegenüber und bei den Verhandlungen immer wieder die Vernichtung Preußens erwähnt und fordert, und dann der Königin Luise sagt, daß sie nicht glauben soll, "daß von der Vernichtung Preußens die Rede ist." Genauso wenig erscheint etwas von seinen Angeboten an Alexander im französisch-russischen Friedensvertrag. Was er auch der Königin versprochen hätte, gehalten hätte er es wahrscheinlich wohl doch nie. -


Am gleichen Tag um 8 Uhr (abends) hat Napoleon zum Diner eingeladen. Die Königin sitzt rechts von ihm, ihr zur Rechten Zar Alexander, der preußische König links von Napoleon. Es herrscht eine heitere, aufgeschlossene Stimmung bei Tisch, die Königin imponiert mit ihrem Charme und ihrer Schlagfertigkeit. Sie glaubt ja, daß sie doch etwas erreicht hätte. - Nach dem Essen spricht sie nochmals längere Zeit mit Napoleon. Sie fährt hoffnungsvoll und zuversichtlich nach Piktupönen zurück. "Kommen Sie, ich muß Ihnen erzählen" ruft sie der Gräfin Tauentzien zu.
Am folgenden Vormittag hat Napoleon den preußischen Grafen Golz rufen lassen und ihm den Friedens-Vertrag" übergeben, den er selbst Talleyrand diktiert hatte. Dies ohne jede Veränderung. Das Mühen der Königin und ihr Hoffen waren vergeblich.
Auf Drängen von Alexander führt der Preußische König noch ein Gespräch mit Napoleon. Dabei geraten die beiden so aneinander, schreien sich an, daß der Zar zum schlichten erscheint. Er sagt später: "Ich fand den König rot vor Zorn und den Kaiser grün vor Wut".

Am gleichen Tage, am 7. Juli also, ist ein Abschieds-Diner bei Napoleon programmiert. Als sie von ihrem Mann in Piktupönen die Nachricht von dem Diktat erhielt, brach sie, allein in ihrem Zimmer, in Tränen aus. Hier hat Luise jetzt wirklich geweint, und dazu hatte sie ja wohl auch allen Anlaß. Natürlich wollte sie unter diesen Umständen nicht nach Tilsit mitfahren, allein, sie unterwirft sich wieder der Staatsraison und sitzt beherrscht und aufrecht bei Tisch erneut zwischen beiden Kaisern. - Die Stimmung ist unerfreulich, die kaum aufkommenden Gespräche sind sehr gezwungen und einsilbig. Napoleon versucht zu scherzen: Der Turban der Königin (aus indischem Musselin zu einem golddurchwirkten Kleid mit rotem Schal) werde dem Zaren wohl schwerlich gefallen, da er ja mit der Türkei im Krieg sei - Die Königin kontert: "Aber Rustan wird er gefallen". Rustan ist ein Mameluk, der hinter Napoleon steht und als einziger diesen Teil der Tafel bedienen darf, weil er die Sprache nicht versteht und folglich nicht "belauschen" kann. Gräfin Voß, die erstmalig mit dabei ist, spricht kein Wort, dem König hat es die Kehle zugeschnürt. - Vor diesem Essen hatten die drei Monarchen noch eine Zusammenkunft im Quartier von Zar Alexander. Als in diesem Gespräch König Friedrich Wilhelm die Friedensbedingungen erniedrigend nannte, schrie Napoleon wütend: "Es liegt in meinem System, Preußen zu demütigen; ich will, daß es nicht mehr eine Macht in der politischen Waage Europas ist". - Als Zar Alexander dagegen Einwendungen erhob, fuhr Napoleon fort: "Es muß immer ein ausgesprochener Haß gegen die Franzosen in den Herzen der Preußen bestehen. Diese Völker können sich nicht versöhnen, und ich will es wenigstens in die Unmöglichkeit versetzen, mir zu schaden." Die Stimmung war so belastet, daß Napoleon schon nach einer Stunde die Tafel aufhob und die Gäste verabschiedete.

Nach der Tafel sprach die Königin noch einmal mit Napoleon allein. Über den Inhalt des Gespräches ist nichts bekannt. - Dazu wird nun manches berichtet: Galant führt Napoleon Luise zu ihrem Wagen. Dabei soll er eine Rose abgebrochen haben, die er ihr anbieten wollte. Die Königin habe zuerst abgewehrt, dann aber die Rose angenommen mit den Worten: "Aber nur mit Magdeburg." Napoleons Antwort: "Festungen sind kein Spielzeug für Damen, Majestät-" - nach einer anderen Version soll er gesagt haben: " Ich muß Ew. Majestät darauf hinweisen, daß es mir zukommt zu bitten, und Ihnen, anzunehmen oder abzulehnen." - In den Aufzeichnungen ihrer beiden Hofdamen, der Gräfin Voß und der Gräfin Tauentzien fehlt jeder Hinweis darauf. Historiker halten diese Episode für eine Phantasie der nachfolgenden Zeit. Betrachten auch wir das für eine liebevolle Ausschmückung der bitteren Vorgänge in unserer Heimatstadt. Bei der Verabschiedung sagt Königin Luise zu Napoleon: "Sire, vous m 'avez cruellement trompee!" (Majestät, Sie haben mich grausam getäuscht!") Napoleons Antwort war ein Lächeln, daß die Gräfin Tauentzien als wahrhaft diabolisch bezeichnete.

Am 7.Juli 1807 wird der Friede zwischen Frankreich und Rußland unterzeichnet, am 9. Juli 1807 in den Abendstunden der Friede zwischen Frankreich und Preußen; in Tilsit, nicht auf einer noch nicht existierenden Brücke auch nicht auf einem Floß.

Der Vertrag ist ein Diktat, die Bedingungen sind sehr, sehr hart - aber es hätte härter werden können. Napoleon schreit es von Golz zu, als dieser sich dagegen wehren will: Der König verdanke die Erhaltung seines Thrones nur dem Zaren Alexander. . . und was die Königin betrifft: "Sie ist nie meine Freundin gewesen, ich weiß es wohl, aber ich vergebe es ihr leicht. Als Frau hatte sie es nie nötig, die politischen Interessen genau abzuwägen. Sie ist für ihre Impetuosität (Heftigkeit) bestraft, aber schließlich hat sie Charakter im Unglück bewiesen. Sie hat mir über ihre Stellung mit vielem Interesse gesprochen, ohne irgend einen Schritt zu tun, der ihr Würde beeinträchtigen könnte. Man muß ihr die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie sehr verständige Dinge gesagt hat, und welches auch ihre Vorurteile sein mögen, sie hat mir wenigstens mehr Vertrauen bewiesen als der König, der es nicht für angemessen gehalten hat, mir das seine zu schenken." (Wie sollte letzterer auch wohl?) Napoleons letztes Wort in unserer Stadt: "Das Werk von Tilsit wird das Schicksal der Welt bestimmen!" - (Der Kommentar seiner Mutter Letizia: "Wenn das nur gut geht auf die Dauer.") ...-'''

Am 9. Juli 1807 verabschieden sich der Russe und der Franzose mit vielen Umarmungen. Unter Hochrufen und Kanonendonner fährt Alexander auf das nördliche Ufer. Napoleon steht barhäuptig sinnend am Strom, bis Alexander das andere Ufer erreicht hat. - Um 6 Uhr nachmittags verläßt er die Stadt, ohne seinem Wirt auch nur ein Dankeswort zu gönnen. "Alexander hat seinem Wirte einen Ring von tausend Talern Wert und 300 Dukaten gegeben, von mir wurde keine Notiz genommen", sagt der Kreis-Justiz-Kommissionsrat Siehr, der Eigentümer des Hauses. Am Morgen des 20. Juli 1807 zogen die französischen Truppen aus Tilsit ab.
"Da wurde uns allen recht wohl", schrieb der Buchdruckereibesitzer Johann Heinrich Post in sein Tagebuch.

Als Napoleon später in seinem Exil einmal gefragt wurde (nicht wörtlich), wann er einmal glücklich war, soll er nach einigem Nachdenken gesagt haben, daß das wohl in Tilsit war, - nur hätte er damals noch härter sein müssen. In Tilsit hatte Napoleon es erreicht, erlebt und auch genossen, daß nicht nur zwei Herrscher sondern auch eine Königin vor ihn, dem Sieger, als Unterlegene - ja, als Bittsteller traten. Es war der Höhepunkt seines Ruhms.

Das politisch erfolglose Treffen der Königin mit dem Franzosenkaiser hat dem Ansehen der Königin nicht geschadet. Es erhöht im Gegenteil den Respekt der preußischen Bevölkerung und auch im gesamten Ausland. Im Grunde bleibt im Ansehen Luise die Siegerin von Tilsit und nicht Napoleon.

Preußen, daß gegen den Willen seines Königs in diesen Krieg gedrängt und geschliddert war, letztlich sogar vom Volke gedrängt, lag am Boden, erdrückt von den Lasten die ihm durch den Vertrag aufgebürdet waren; dezimiert in seinem Bestand. Der Wille zur weiteren Existenz wird stärker als zuvor. Nachdem neue Lasten 1812 auf Preußen und auch auf Tilsit zukamen, wird das Staatswesen tiefgreifend reformiert. Sie "waren (damals) das Volk". Preußen ging nicht unter. Es sollte sich wirklich lohnen, demnächst einmal diese Nachfolgezeit zu betrachten. Ich glaube, wir alle, aber besonders die Politiker, könnten eine Menge daraus lernen. - Nach dem 2. Weltkrieg hat man in Potsdam Preußen einfach "verboten". Für mich war und ist Preußen, ich meine "das" Preußen, nicht das Marschstiefel- und Pickelhaubenpreußen, das man uns immer vor Augen führt, für mich ist Preußen kein Staat, sondern eine Idee. Und gute Ideen kann man nicht verbieten. Es wäre gerade in der heutigen Zeit nicht schlecht, wenn wir ab und zu, hier und da, ein wenig Preußen hätten. - Ich wurde in Tilsit geboren. Meine durch Geburt erhaltene Staatsangehörigkeit war amtlich "preußisch-deutsch", im Anmeldezettel schrieb man deshalb in der Rubrik "Staatsangehörigkeit": -pr/dt.- Das schreibe ich auch heute noch. Man kann doch nicht einen Teil meiner Herkunft einfach verbieten. Ich bin und bleibe ein Tilsiter, ein Ost-Preuße, ein von Herkunft her preußischer Deutscher, der aus Überzeugung an ein kommendes Europa glaubt.

Sehr gekürzt, dennoch sehr lang, habe ich das Geschehen in Tilsit im Jahre 1807 aufgeschrieben, weil überall sehr nebulöse Vorstellungen davon bestanden. Aber zumindest die Tilsiter sollten doch etwas mehr wissen, dachte ich.

Ich danke als Vorsitzender der Stadtgemeinschaft unserem Landsmann Harry Goetzke, daß er die Originalfassung des "Tilsiter Friedens" beschafft hat, die wir nachfolgend veröffentlichen. Ich bitte alle Empfänger diesen Text auch einmal zu lesen, auch wenn er manchmal etwas schwierig abgefaßt ist.


Autor : © 1997 Horst Mertineit-Tilsit
Quelle : Tilsiter Rundbrief Nr. 27/1997
Benutzte Literatur:
Heinz Ohff, "Ein Stern in Wetterwolken"
Joachim Fernau: "Sprechen wir über Preußen"
Merete van Taack: "Königin Luise"
Prof. Emil Knaake: "Aus Tilsits Vergangenheit"
Carl Lange: "Ostdeutsche Monatshefte," Jahrgang 1923
div. Lexika und eigene Notizen nach Gesprächen mit Historikern.

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© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 01.10.2003
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letzte Änderung dieser Seite : Donnerstag, 17. Februar 2011